1981–1984 (Planungsphase)
Bereits einige Jahre vor der Eröffnung gab es konkrete Pläne für eine Fotogalerie in der damaligen DDR. Nach dem Studium beschlossen die Berliner Kunstwissenschaftler Ralf Herzig, der als freiberuflicher Fotograf arbeitet, und Ulrich Domröse, der gegenwärtig die Fotosammlung der Berlinischen Galerie leitet, dem künstlerischen Aspekt der Fotografie einen dauerhaften Ausstellungsort zu geben. Es waren nicht nur langwierige Verhandlungen, sondern mehrjährige konzeptionelle Arbeit zu künstlerischen Inhalten, zu Architektur und Ausgestaltung der Räumlichkeiten, die der Gründung vorangingen. Auf Beschluss des Magistrats von Berlin (Ost) gab der Stadtbezirk Friedrichshain, Abteilung Kultur, seine Zustimmung, die geplante Stadtbezirksgalerie als Fotogalerie zu betreiben.
1985–1989
Am 28. August 1985 wurde die Galerie am Helsingforser Platz mit einer Ausstellung von Nachkriegsfotografien von Richard Peter eröffnet.
Zu diesem Zeitpunkt war Ralf Herzig schon nicht mehr dabei, weil er als politisch unsicher eingestuft wurde, und deshalb keine vollwertige Anstellung bekam. Auch Ulrich Domröse brach nach den ersten vier von ihm konzipierten Ausstellungen wegen inhaltlicher Differenzen den Kontakt mit der Galerie ab. Dennoch erfreute sich die Fotogalerie mit ihren mehr als 200 m² Ausstellungsfläche und dem angeschlossenen Café von Anfang an regen Zuspruchs – bis zu 50.000 Besucher pro Jahr belegen den damaligen Stellenwert. Der frühe Erfolg ist vor allem den Fotografen selbst zu verdanken, die sich für die Fotogalerie engagierten. Im Beirat der Galerie waren besonders aktiv Roger Melis, Peter Leske und der Publizist Wolfgang Kil.
1990–2002
In den frühen 1990er Jahren strömten durch die Öffnung der Grenzen verstärkt westdeutsches und internationales Publikum und Fotografen in die Galerie, Größen wie Sebastião Salgado oder Gordon Parks stellten aus. Die Wendezeit führte in ihrem weiteren Verlauf jedoch zu erheblichen finanziellen Schwierigkeiten des Bezirks Friedrichshain und somit auch der Galerie. Der Versuch, durch Gründung eines Fördervereins im Jahre 1993 den Wegfall kommunaler Gelder zu kompensieren, war nur bedingt erfolgreich. Trotzdem gelang es, die Öffnung jederzeit zu gewährleisten und die Qualität der Ausstellungen aufrecht zu halten. Als der Förderverein sich 1999 auflöste, drohte angesichts des stark gewachsenen Kulturangebots in Berlin und weiterer kommunaler Einsparungen das Aus.
2002 bis heute
Nach langwierigen Verhandlungen ging der Bezirk im Jahre 2001 eine Kooperation zur Erhaltung der Fotogalerie mit dem Kulturring in Berlin e. V. ein. Der Verein übernahm die alleinigeTrägerschaft und hält bis heute die Tradition und den gemeinnützigen Geist der Fotogalerie Friedrichshain aufrecht. Ab 2005 leitete Gudrun Fietz die Geschicke der Institution, danach bis 2014 Astrid Lehmann und schließlich seit 2015 bis heute Felix Hawran.
In den letzten Jahren hat sich der Schwerpunkt auf engagierte globale Perspektiven verschoben, die in internationalen Gruppenausstellungen authentisch und vielfältig beleuchtet werden. Generell hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass bei schmalem Budget das Programm vor allem durch inhaltliche Kooperationen stark wird und sich erfolgreiche Projekte verstetigen lassen. So ist die Fotogalerie etwa seit der ersten Ausgabe des Europäischen Monats der Fotografie (EMOP) kontinuierlichTeil dieses Events. Unterstützt wird das Fortbestehen der Galerie auch bis heute durch die Bewohnergenossenschaft Friedrichsheim eG, die die Räumlichkeiten in ihrem größten Objekt dankenswerterweise zu vergünstigten Mietkonditionen zur Verfügung stellt.
Die Fotogalerie Friedrichshain hat sich als feste Größe in der Berliner Kulturlandschaft etabliert. In einer Stadt, in der es heute dutzende Galerien mit Schwerpunkt Fotografie gibt, behauptet sie ihren Platz durch ein eigenständiges Profil, anspruchsvolle Ausstellungen und die Kontinuität ihrer gemeinnützigen Arbeit bei stets freiem Eintritt. Für ihr andauerndes Engagement wurde sie 2018 vom Berliner Senat als Preisträger unter den besten künstlerischen Projekträumen und -initiativen ausgezeichnet. Die Feier zum 40-jährigen Bestehen ist Anlass für einen Rückblick, aber auch Motivation für die Zukunft einer Institution, die als Zeugin und Gestalterin der Berliner Fotogeschichte unverzichtbar geworden ist.